Rechtsextreme Flugblattaktion im Dresdner Hochland – ein besorgniserregendes Zeichen
Als ZIVD e. V. – Zentrum Interkultureller Verständigung Dresden beobachten wir mit großer Sorge eine rechtsextreme Flugblattaktion, die am vergangenen Wochenende in den Dresdner Stadtteilen Pappritz und Gönnsdorf stattgefunden hat. An Autos und in Briefkästen wurden Flyer einer Gruppierung verteilt, die sich selbst „Hochland Jugend“ nennt.
Die Inhalte dieser Flugblätter sind eindeutig: Sie transportieren völkische, rassistische und demokratiefeindliche Ideologie. Migration wird als „Krieg“ diffamiert, gesellschaftliche Vielfalt als Bedrohung dargestellt, Menschen werden entmenschlicht und gegeneinander ausgespielt. Diese Sprache ist kein Zufall – sie folgt bekannten Mustern der extremen Rechten.
Bewusst eingesetzte Symbolik
Besonders besorgniserregend ist die verwendete Bild- und Symbolsprache. Auf den Flyern finden sich mehrere Zeichen, die seit Jahrzehnten fest im Repertoire rechtsextremer Szenen verankert sind:
- Die Abkürzung „HJ“, abgeleitet aus dem Namen Hochland Jugend, ist historisch eindeutig belastet. Sie verweist bewusst oder billigend auf die Hitlerjugend, die zentrale Jugendorganisation des Nationalsozialismus. Solche Anspielungen dienen der Wiedererkennung innerhalb der Szene und der Provokation nach außen.
- Das Motiv von Hammer und Schwert ist ein bekanntes Kampfsymbol innerhalb rechtsextremer und neonazistischer Gruppierungen. Es steht für eine militant verstandene „Verteidigung“ eines völkisch definierten Europas und signalisiert Gewaltbereitschaft sowie ideologische Radikalität.
- Auch die grafische Gestaltung, Schriftarten und die inszenierte Opfererzählung folgen klaren Mustern rechter Propaganda: Emotionalisierung, Vereinfachung und der gezielte Versuch, Angst und Wut zu erzeugen.
Diese Symbole sind keine Folklore und keine Meinungsäußerung, sondern bewusst eingesetzte Codes, die in der Szene verstanden werden und zur Radikalisierung und Mobilisierung beitragen sollen.
Strategie der Normalisierung
Besonders alarmierend ist, dass diese Propaganda nicht auf Demonstrationen, sondern still im Alltag verbreitet wurde – über Briefkästen und parkende Autos. Das ist Teil einer bekannten Strategie: Rechtsextreme Inhalte sollen normal wirken, alltäglich werden und unkommentiert bleiben.
Gerade deshalb ist es notwendig, solche Vorfälle öffentlich zu benennen, einzuordnen und klar zurückzuweisen.
Wir stellen klar:
Das Dresdner Hochland ist kein Ort für menschenfeindliche Ideologien. Rassismus, Antisemitismus und völkisches Denken stehen im direkten Widerspruch zu einer offenen, demokratischen Gesellschaft.
Dokumentation, Appell und Gegenaktivismus
Als Verein verstehen wir diese Veröffentlichung ausdrücklich als Dokumentation für Öffentlichkeit und Presse, aber auch als politischen Appell an die Bürgerinnen und Bürger. Wegsehen hilft denjenigen, die Demokratie abbauen wollen. Haltung zeigen schützt sie.
Unser Aufruf
Wenn ihr rechtsextreme Flyer, Aufkleber oder Plakate entdeckt:
- dokumentiert sie (Foto, Ort, Datum),
- meldet sie an uns unter presse@zivd.de,
- informiert – wenn möglich – auch lokale Medien.
Solidarität bedeutet, nicht zu schweigen. Gegenaktivismus beginnt mit Aufmerksamkeit, Aufklärung und gemeinsamer Haltung.
Rechtsextremismus darf keinen Platz im Alltag bekommen – weder in Dresden noch anderswo.
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